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08.10.2019

Bio Sojaanbau in Deutschland: Step 3 – Die Ernte

Sojaernte

„Säen ist nicht so beschwerlich als ernten“ Ob Goethe diese Worte während der Sojaernte einfielen? Wohl eher nicht… Trotzdem passt es gut zur Ernte unserer wertvollen Fracht. Warum, das lest ihr hier:

Doch vorab: Solltet ihr „Step 1: Die Aussaat“  und „Step 2: Striegeln und hacken“ verpasst haben–  ist das kein Problem: hier geht es zu den vorherigen Beiträgen: Bio Sojaanbau in Deutschland: Step 1 – Die Aussaat und  Bio Sojaanbau in Deutschland: Step 2 – striegeln und hacken.

Die Vorbereitung

Bald ist es so weit. Nach den vielen Monaten des Wartens, die seit der Aussaat vergangen sind, ist die Sojapflanze ausgewachsen. Die Vorbereitung für die Ernte kann beginnen.

Unkraut vergeht bekanntlich nicht - daher muss dieses bis wenige Wochen vor der Ernte maschinell entfernt und so das bestmögliche gegen eine Verunkrautung des Feldes unternommen werden. Zudem ist es sehr wichtig, dass die Erntevorrichtungen und Lagerhallen sauber und keine Rückstände anderer Erntevorgänge zurückgeblieben sind, damit die Sojabohnen gelagert werden können. Durch die Säuberung werden mögliche Verunreinigungen verhindert und die Reinigung im Nachhinein wird erleichtert. Also gilt auch hier, wie sie oft: Sauberkeit ist die halbe Miete.

Je nach Sorte erreicht die Sojapflanze ihre letzten Lebenstage zwischen Mitte September und Ende Oktober. Dann sind die Pflanzen abgestorben und die Farbe des Sojafeldes hat sich vom sommerlichen Grün zum herbstlichen Gelb bis Goldbraun verändert. Für die Bio-Landwirte ein klares Zeichen: Bald kann geerntet werden!

reife Sojabohnen

„Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“

– oder zumindest ist es hörbar, sobald die Bohnen erntereif sind. Ein weiterer Trick, um zu schauen, wie weit die Bohnen sind, ist es die Hülsen zu schütteln. Rascheln die Bohnen in der Hülse - ist es ein gutes Zeichen, denn dann liegen die Bohnen lose in der haarigen Hülse und die Erntezeit steht vor der Tür. Trotzdem verlässt sich der Landwirt nicht komplett auf seine sensorischen Fähigkeiten. Dafür ist der exakte Feuchtigkeitsgehalt des Korns – also der Sojabohnen – für die Ernte viel zu bedeutend. Bei händischer Prüfung kann selbst der erfahrenste Landwirt den Ölgehalt der Bohne oft nicht vom Wassergehalt unterschieden.

Was passiert, wenn die Bohnenfeuchte nicht stimmt?

Um ganz sicherzugehen, dass der Feuchtigkeitsgehalt stimmt– optimal liegt er zwischen 14-16 % - misst der Landwirt noch mal mit einem digitalen Feuchtigkeitsmesser nach.  Ab dem Zeitpunkt, ab dem die Blätter der Sojapflanzen abfallen, misst der Bio-Landwirt penibel alle 2-3 Tage nach, um den richtigen Zeitpunkt für die Ernte nicht zu verpassen. Zum Ende hin, kann die Feuchtigkeit schnell absinken – das kann problematisch sein!

Sind die Sojabohnen schon zu trocken, kann es zum sogenannten Kornbruch kommen. Dann liegt der Kern der Bohne frei und das darin enthaltende Öl oxidiert mit dem Sauerstoff der Umgebung. Diese chemische Veränderung führt dazu, dass das Öl schlecht, also „ranzig“ wird. Dann können wir als Hersteller den guten Geschmack unseres Tofus und unserer weiteren Sojaprodukte nicht mehr garantieren. Die Bohnen werden für uns, und damit auch für den Bauern, wertlos.

Hin zum anderen Extrem: Ist die Sojabohne zu feucht, kann es sein, dass sie bei der Lagerung durch Schimmelbildung verdirbt.

Außerdem löst sich der Schmutz beim Dreschen, Erntevorgang, nicht so gut und bleibt an den hellen Bohnen kleben. Das ist schwierig zu säubern und vermindert die Qualität.

Daher ist es ganz wichtig, das Zeitfenster nicht zu verpassen - Timing ist das A und O bei der Sojabohnenernte!

Alles kann man auch nicht haben

Leider muss der Bio-Landwirt bei der Sojaernte einen Ernteverlust von etwa 10 bis 20 % mit einberechnen. Das liegt zum einen daran, dass die ersten Sojahülsen am Stängel bereits kurz über dem Boden hängen. Um diese Sojabohnen mit dem Mähdrescher zu erreichen, müsste der Landwirt das Erntegerät sehr dicht über dem Boden ansetzen. Doch wenn er dies tut, würde zusätzlich zu den Bohnen viel Erde mit aufgenommen werden und die Ernte wäre stark verunreinigt – ein wahrer Balanceakt zwischen Ernteverlust und höchstmöglichem Ertrag.

Um den Verlust so weit wie möglich zu minimieren, kann der Landwirt zum einen flexible Messerbalken verwenden, die sich an die Bodenhöhe anpassen. Zum anderen ist auch hier noch einmal wichtig, dass die Kornfeuchte passt. Denn generell gilt: je höher die Kornfeuchtigkeit, desto höher der Ernteverlust.

Jetzt kann es losgehen: Wenn der Wassergehalt der Sojabohnen stimmt und alles richtig eingestellt ist, heißt es: Eile mit Weile. Mit gemächlichen 4-5 km/h schleppt sich der Mähdrescher über das Feld. Es braucht also viel Geduld und Fingerspitzengefühl, bis das Feld komplett abgedroschen ist.

erntereife Sojabohnen

Die Lagerung

Wie ihr bereits im Step 1 und 2, aber auch hier in Step 3 erfahren habt, ist Soja eine ganz sensible Pflanze. Deswegen muss auch die Trocknung genau beobachtet werden, um die Qualität der Sojabohnen gewährleisten zu können. Neben der Kornfeuchte kann auch eine schlecht eingestellte Lagertemperatur während der Trocknung negative Auswirkungen haben. Ist die Lagerumgebung zu feucht, kann es zur Schimmelbildung kommen, ist sie zu hoch und trocken, steigt das Risiko für Kornbruch an.

Und das hat – wie wir wissen – einen bitteren Beigeschmack. Auch bei der Trocknung und Lagerung ist also Vorsicht geboten, damit die harte Arbeit vom Säen bis zur Ernte nicht umsonst war.  Eine schonende Trocknung bei 40 °C hat sich bewährt, damit sich die Bohnen gut aufgehoben fühlen. Bei einer so schonenden Trocknung darf der Feuchtigkeitsgehalt, bevor sie weiterverarbeitet werden, auch auf 9 % sinken, ohne dass die Bohnen brechen. 

Erntedank!

Ihr seht also, dass der Anbau von Bio-Soja, aber natürlich auch von anderem Getreide, trotz moderner Gerätschaften mit einem sehr hohen Arbeitsaufwand verbunden ist und viel Erfahrung im Ernteteam benötigt. Doch es lohnt sich – vor allem für die Umwelt. Biologische Anbautechniken schonen den Boden, nicht zuletzt durch den Verzicht von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Unkrautvernichtern. Ganz zu unserer Freude und die der Bio-Landwirte, steigt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Bio-Soja und Sojaprodukten – Danke dafür!

 

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