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Bio Sojaanbau in Deutschland: Step 2 – Striegeln & Hacken

Die Sojabohnen liegen in der Erde und jetzt geht es dem Unkraut an den Kragen. Mit diesem Beitrag geht es in unserer Blogpost-Reihe zum Bio-Sojaanbau in Deutschland einen Step weiter und hier dreht sich nun alles rund um das Thema ökologische Unkrautentfernung. Wir erklären, wie den Bohnen ganz ohne Pflanzenschutzmittel das Wachsen erleichtert wird und wieso die Bio-Bauern dabei wahres Fingerspitzengefühl beweisen müssen. 

Sojaanbau

Falls du „Step 1: Die Aussaat“ verpasst haben solltest – kein Problem: hier geht es zum vorherigen Beitrag: Bio Sojaanbau in Deutschland: Step 1 – die Aussaat.

Bio-Soja: gestriegelt, nicht gespritzt

So oder so ähnlich würde Agent 00-Bio wahrscheinlich seinen Bio-Soja bestellen. Denn im ökologischen Sojaanbau werden keine konventionellen Pflanzenschutzmittel verwendet. Hier wird noch mechanisch Hand, oder vielmehr Gerät angelegt, um den Soja von unerwünschten Unkräutern zu befreien. 

Die mechanische Unkrautentfernung ist besonders wichtig, denn die Sojapflanze ist alles andere als ein Draufgänger. Sie ist sehr empfindlich gegenüber Unkrautkonkurrenz, was den Ertrag negativ beeinträchtigt und zudem die Ernte stark erschwert. Somit ist sie der wichtigste Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg im Öko-Sojaanbau.

Der Grund für die Anfälligkeit der Sojapflanze liegt an ihrer arttypischen langsamen Jugendentwicklung. In dieser Phase muss sie mit dem meist schneller wachsenden Unkraut um wichtige Nährstoffe, wie z.B. Wasser konkurrieren. Den Bio-Bauern stehen zwei wesentliche mechanische Unkrautregulierungsmaßnahmen zur Verfügung: Das Striegeln und das Hacken. Diese sind beide anzuwenden - und am besten mehrmals.

Striegeln im Sojaanbau - und zwar blind!

Nach der Aussaat ist vor dem Striegeln: Möglichst kurz nachdem ausgesät wurde, so ca. 3–4 Tage später, sollte bereits mit der ersten Unkrautregulierungsmaßnahme gestartet werden. Ihr fragt euch vielleicht: „So früh?“ - Aber ja, so früh! Auch wenn das Feld noch völlig braun ist und noch kein Grün zu sehen ist, kann der Bio-Bauer maschinell das Unkrautwachstum regulieren und vorbeugen. 

Hierzu kommt ein sogenannter Striegel zum Einsatz: Ein Gerät, das vom Trecker gezogen wird und wie ein Kamm den Boden mit Metallzinken „striegelt“. So können kleine Unkrautpflanzen, noch bevor die Sojabohne auskeimt, freigelegt oder zugeschüttet werden. 

Die Krux bei der ganzen Geschichte: Nach 3–4 Tagen liegt die Sojabohne natürlich noch als Bohne unter der Erde und gibt dem Bio-Bauern somit keinen sich farblich absetztenden Anhaltspunkt, wo die Pflanzen einmal wachsen werden. Ihm bleibt nichts anderes übrig als den Striegel „wie blind über das Feld zu ziehen. Daher auch der Name: Blindstriegeln. 

Wichtig zu beachten: In den Fuhrspuren des Treckers wächst anschließend auch kaum noch etwas - auch keine Sojapflanzen! Nach der Keimung der Bohnen ist den aufgehenden Pflanzen erst einmal eine Pause zu gönnen.

Sojaanbau-Hacken

Unkrautregulierung durch Hacken

Ist etwas Zeit vergangen und die Sojabohne gekeimt und aus dem Boden emporgewachsen, kann mit dem sogenannten „Hacken begonnen werden. Hierzu zieht der Landwirt eine Hack- oder gleich eine Hack-Häufel-Vorrichtung hinter seinem Trecker her.

Wie in der Automobilwelt gibt es hier die unterschiedlichsten Modelle. Einige erinnern an kreisförmige Pizza-Schneider mit Fingern (sog. Fingerhacker), andere an ein riesiges Nagelbrett. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie „hacken gleich mehrere Reihen gleichzeitig. So wird dem Unkraut der Kampf angesagt. 

Sojaanbau Hacken

Wir durften eine Hackvorrichtung mit L-förmigen Scharen in Aktion sehen. Die scharfen Dolch-artigen Schare ziehen größeres Unkraut einfach mit sich und legen kleineres frei. Dabei bleiben die kleinen Sojapflanzen unversehrt. Leichtes Verschütten macht ihnen auch nichts aus. 

Sojaanbau-Hacken

Sojaanbau: Die Technik muss stimmen

Früher hieß es beim Hacken für die Bio-Bauern genau wie beim Striegeln: ja keine hektische Bewegung machen und aus der Spur fahren. Doch heute erleichtern Fahrassistenten, Kameras, Führscheiben an der Hackvorrichtung selbst und sogar GPS die Arbeit auf dem Feld. 

Doch Achtung: Viel heißt nicht immer hilft viel: Wird die Pflanze zu häufig gestriegelt, läuft sie Gefahr schief zu wachsen und die Ernte wird erschwert. Sind die Sojapflanzen groß genug, werfen sie auf die Zwischenreihen genügend Schatten und verhindern somit selbst verstärkten Unkrautbewuchs. Am Ende tragen gute wie schlechte Erfahrungen der Landwirte und das Wetter zur Qualität des Endproduktes maßgeblich bei. 

Die Sojabohne hat noch eine recht kurze Anbaugeschichte in Deutschland zu erzählen, was das Bestellen der Felder nicht leichter macht. Wir ziehen mal wieder den Hut vor allen Bio-Bauern, die für uns und für andere den ökologischen Anbauweg eingeschlagen haben. Nicht zuletzt kann man es an der Qualität unserer Produkte sehen und vor allem schmecken. 

Doch bis zur ausgewachsenen Pflanze und zur geernteten Bio Sojabohne sind es noch einige Monate. Da müssen wir uns wohl noch etwas gedulden, aber bleibt gespannt: Wir haben schon unser Maßband gezückt und verfolgen die Wachstumsstadien der Pflanzen genau. Alles wichtige zu den einzelnen Stadien gibt es im nächsten Beitrag: Step 3.

Einmal vorgesprungen: Zu Step 1 – die Aussaat der Bio Sojabohne in Deutschland geht es hier nochmal.